Skigebiete Winter

Auf Tourenski im Rando Parc in Crans-Montana

Der Rando Parc im und ums Skigebiet Crans-Montana bietet 15 Tourenski-Strecken, die gesichert, markiert und gespurt sind. Insgesamt 40 Kilometer werden offeriert, eingängig in die Schwierigkeitsstufen blau, rot und schwarz eingruppiert. Insgesamt kann man sich auf 8000 Bergauf-Höhenmetern auspowern. Unser Anspruch war jedoch eher „blau“. Papa hat eine geführte, einfache Skitour auf und entlang des Rando Parcs gewagt:

So, jetzt gehts nicht mehr weiter nach oben. Gemeinsam mit unserem Guide Pascal sind wir früh am morgen gestartet und haben uns bis auf 3000 Meter Seehöhe hochgearbeitet. Schön kommod mit den Gondelbahnen Violettes Express und der Funitel Violettes – Plaine Morte. Die Tote Ebene, ein Gletscher – und nach langer Coronazeit mal endlich wieder ein 3000er für mich. Pascal hat das Tourenski-Prinzip umgekehrt und die Sonnenstände und Abfahrten so kombiniert, dass wir uns erstmal auf gut 1300 Höhenmeter Freeride-Abfahrtsspaß freuen können. Zunächst steht ein bisschen Höhenmetermachen an hinüber Mont Bonvin – die Felle lassen wir noch im Rucksack, es würde sich eh noch nicht lohnen. Was sich allerdings lohnt (und unerlässlich ist), das ist der Ausrüstungscheck. Die Sonden und die Schaufel sind im Rucksack und der LVS-Piepser auf „Senden“. Am Vortag hatten wir uns in Crans die Ausrüstung geliehen, nun stehen die ersten Abfahrten an.

Nachdenken ist blöd, wenn man am Einstieg in ambitionierte, unpräparierte Abfahrten steht. „Geschwindigkeit schafft Sicherheit“, erinnere ich mich und so cruisen wir eineinhalb Stunden mit vielen Fotostops bergab, ehe wir zwei Wasserfälle passieren, die obligatorischen Schneechecks mit der Nase absolvieren und schließlich an einem Bächlein stehen, an dem klar ist: Von hier an geht’s jetzt bergauf.

Als Hobbysportler mit guten Skikenntnissen, leidenschaftlicher Flucher beim Langlaufen und mit fast null Skitourenkenntnissen ist mir schon ein bisschen bang in der Magengegend: „Wie anstrengend ist das eigentlich?“, „Kann man was falsch machen?“, „Wie gehe ich mit ausgesetzten Stellen um, wenn es die denn gibt?“, „Lawinengefahr?“ Da uns der Wettergott uns frühlingshafte Temperaturen beschert hat, starten wir wohltemperiert und mit leichtem Gewand, und wir absolvieren die ersten „Klackklacks“ auf einem Feldweg. Pascal gibt uns kurz nach dem Start auf 1700 Höhenmetern die ersten knappen Instruktionen: Eigenes Tempo gehen, Aufstiegshilfe maßvoll einsetzen, eigenes Tempo finden, aufpassen, wo man hintritt und den Stecken setzt, eigenes Tempo… Naaaaaja, in der Gruppe ist das mit dem eigenen Tempo so eine Sache, aber wir sind heute dann doch recht homogen beinand – und machen einige Höhenmeter. Der Schweiß fließt, wir üben in den ersten steileren Passagen auch mal eine Eisfeldquerung und irgendwie ist das ein bisschen wie beim Ausdauerlauf.  Die Poren sind offen, frische Luft, wir blinzeln in die Sonne, die grad rauskommt und sehen oben bald auch schon unser Ziel an einer Alm. Jetzt eine Apfelschorle, eine Pause und dann gemütlich abfahren – es könnte so schön sein in der Sonne! Nur stellt sich heraus: Die Alm ist erstens unbewirtet und zweitens gar nicht unser Ziel.

Pascal scheucht uns noch hinauf bis unterhalb des Petit Mont Bonvin. Das sind weitere Höhenmeter, die jetzt schon auch jeden einzelnen ein bisschen fordern. Die Unterhaltungen des ersten Tourendrittels sind inzwischen verstummt, jeder konzentriert sich auf sich, seine Schritte, seinen Atem.  Und ich mit stierem Blick auf die Skispitzen vor mir. Das Gelände weitet sich – und endlich stehen wir droben an der Piste, essen Müsliriegel, trinken den letzten Schluck Wasser aus der Flasche und sind mächtig stolz, den ersten Tourentag „gemacht“ zu haben. Tourenglück.

Es ist nachmittags um zwei geworden, die Skipiste ist in der Frühlingssonne wässrig geworden. Ehrensache, dass wir die Talabfahrt auch noch mitnehmen. Runter, rauf, runter – mal ein anderer Skitag in Crans-Montana.

Wer auf präparierten Tourenrouten in Crans-Montana unterwegs sein will, hält sich bitte an die Infos des Rando Parc!

Hinweis: Skitourengehen ist nichts für Laien. Eine Lawinenausrüstung mit LVS-Gerät, Schaufel und Sonde muss immer mit! Es ist gut, wenn man den Einstieg in diese Sportart nicht im Selbstversuch, sondern mit Anleitung eines Bergführers macht. Auch ein Lawinenkurs gehört zum Rüstzeug, bevor man sich alleine auf die Piste wagt.

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