Saisonstart im Skigebiet Oberjoch

Schnee-reich: Familienskifahren im Pillerseetal

12.01.2019 Comments (6) Skigebiete, Urlaubsregionen, Winter

Viel Schnee – warum das keine Katastrophe ist

Jetzt bin ich also da, mitten im Katastrophengebiet. Am Rande zum Salzburger Land, das laut RTL Katastrophengebiet ist und wo man sich vor lauter Lawinengefahr nicht mehr vor die Tür trauen darf. Und ich kann euch sagen: erstens gibt’s mich noch und zweitens ist viel Schnee noch lange keine Katastrophe – wenn man richtig damit umgeht.

Skiurlaub im Pillerseetal, da freust dich drauf und vor lauter Vorfreude will man die Katastrophenmeldungen, die ich in der vergangenen Woche im Fernsehen aus Österreich und Südbayern gelesen hat, nicht wahrhaben. Ich bin also gefahren, habe statt prognostizierter 3,5 Stunden 7,5 Stunden Anreise gebraucht? Ist das eine Katastrophe? Nein, es war ein kleines Abenteuer mit einigen spannenden Momenten, zum Beispiel am Grenzübergang Kiefersfelden, als die Österreicher mich Mautflüchtling nicht passieren lassen wollten – aber es war alles ganz easy.

In Fieberbrunn angekommen bei Einbruch der Dämmerung. Es türmen sich rechts und links der Straße vier Meter hohe Schneemauern – so hoch man halt fräsen kann. Doch gehen die Einwohner der Berge mit Schnee halt schlicht und einfach gelassen um. Kein Katastrophengegreine, sondern ein tägliches Arbeiten mit dem Schnee. Da wird gefräst und gebaggert und geschaufelt und wenns sein muss, auch eine Lawinensprengung durchgeführt. Aber Katastrophe ist das nicht. Die Baggerfahrer und Schneepflugchaffeure haben dicke Ringe unter den Augen – aber sie freuen sich über eine schöne Rechnung am Ende des Schnees. Und ich als Autofahrer bin vorsichtig gefahren, hab mich vor allem über die Kreisel-Labyrinthe gefreut und mir gedacht: Das haben sie gut hingekriegt!

Gestern und heute Skifahren in Fieberbrunn. Katastrophe? Die Verbindung nach Saalbach und Leogang läuft nicht wegen Lawinengefahr. Naja, fährst halt in Fieberbrunn, die Pistenkilometer dort reichen auch. Die Pisten sind tiptop präpariert, bei so mancher Hütte muss man abwärts klettern, um ins Haus zu gelangen. Aber der viele Powder ist gigantisch und die Jungs von der Lawinenkommission versprechen größtmögliche Sicherheit und veranlassen Sperrungen und Sprengungen.

Aktuell liegen 175 Zentimeter Schnee in Fieberbrunn, das ist der höchste Wert seit fast 30 Jahren, der Schneestatistiker und Skitourismusforscher Günther Aigner (Interview folgt noch) hat mir verraten, dass er damit rechnet, dass heuer der höchste jemals gemessene Schneehöhenwert erreicht wird. Und die Messreihe läuft seit Ende des 19. Jahrhunderts… Aber aufgeregt, nervös und in Endzeitstimmung ist hier kein Mensch. Wenn ich allerdings die Berichte aus den Medien sehen, müsste hier  längst schon das öffentliche Leben zusammengebrochen sein. Wenn Reporter stolz melden, dass hier trotz der Schneesituation die Trinkwasserversorgung noch läuft (!), dann ist dass keine Sensation, sondern Business as usual in den Bergen.

Dass hier und da ein Flachdach abgeschaufelt werden muss, dass ich von meiner Terrasse im Erdgeschoss nurmehr ein halbmeterhohes Guckloch nach draußen habe – das ist alles keine Katastrophe, sondern ein wunderschönes Winterabenteuer!

Also: Bleibt ruhig, regt euch nicht auf. Die in den Bergen haben das im Griff, hier kann man herkommen, hier kann man skifahren und hier geht alles seinen normalen Gang.

Ich danke allen Helfern und Arbeitern, die mit dem Schnee arbeiten, die unseren Urlaub möglich machen. Ihr Einsatz ist unser Vergnügen. Und wir sollten sie belohnen, indem wir uns von der Panikmache in den Medien nicht anstecken lassen.

Ein Aber hab ich allerdings doch noch: Morgen geht’s heim. Heute Nacht melden die Wetterfrösche einen weiteren halben Meter Neuschnee. Bin mal gespannt, wie lang ich morgen brauchen werde – und was morgen abend zu berichten ist! 🙂

Coole Sache mit dem Schnee!

 

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6 Responses to Viel Schnee – warum das keine Katastrophe ist

  1. Torsten Land sagt:

    Ein sehr schöner Bericht. Ich teile ihre Ansicht zu 100% !

  2. Sebastian sagt:

    Das ist aber eine nette Geschichte!

    Ein ignoranter Flachlandtiroler sucht den Katastrophenfall, fährt fröhlich pfeifend durch die Landschaft und verfährt sich nach Fieberbrunn. Dort ist alles in Butter, weil die in dem Skigebiet ja eh Schnee gewöhnt sind. Die Einheimischen haben den Schnee auch schön brav aufgeräumt. Weit und breit keine Katastrophe.

    Ja klar, Franz Beckenbauer hat in Katar ja auch keinen einzigen Sklaven gesehen!

    Dass der „Katastrophenfall“ ein juristischer Begriff ist, der im staatlichen Katastrophenschutz gilt, wird außer acht gelassen. Lieber verkürzt man auf „Katastrophe“ und schimpft auf „die Medien“ (wer immer das ist), das kommt seit Trump und der AfD immer gut.

    Dass der Katastrophenfall nicht in Fieberbrunn, sondern in fünf oberbayerischen Landkreisen gilt, vergessen wir auch mal lieber schnell. Hauptsache, man kann andere belehren und zeigen, dass man der Allerschlauste ist. Warum fährt man dann aber nicht ins Berchtesgadener Land oder den Landkreis Traunstein oder Miesbach usw., dort wo Lawinen die Straßen verschütten? Wo die Dächer einstürzen? Wo die Einwohner von der Außenwelt abgeschnitten sind und nur mit Hilfe der Bundeswehr noch ernährt werden können? Wo der Fahrer einen Schneepflugs in die Isar stürzt und ertrinkt?

    Zu feige?

    Dieser Text ist eine einzige Katastrophe.

    • Yvonne Weishaupt sagt:

      Sebastian: Dein Kommentar ist in meinen Augen eine Katastrophe. Was genau ist eigentlich dein Problem? Ich – als Nicht-Flachlandtirolerin, sondern In-den-Bergen-Aufgewachsene – teile die Auffassung des Autors jedenfalls. Und finde es gut, dass auch mal jemand aus der Medienwelt NICHT auf den Panikzug aufgesprungen ist…

      • Sebastian sagt:

        Was mein Problem ist? Der Autor hat offenbar keinen Schimmer, wovon er da redet. Er war in keinem Katastrophengebiet, sondern in Fieberbrunn. Nicht im Berchtesgadener Land, nicht im Chiemgau und wo sonst noch wirklich das Chaos herrscht. Und dann tut der Typ so, als sei alles ein Medienhype und er der tolle Querdenker, der eine andere Sichtweise eröffnet.

        Das kotzt jemanden wie mich einfach an, der in den letzten zwei Wochen täglich mehrmals und manchmal bis zu 8 Stunden am Tag Schnee geräumt hat, der seine Nachbarn gesehen hat, alte Leute, gehbehinderte Leute, die stundenlang Schnee geschippt haben, um ihre Bürgersteige und Einfahrten frei zu halten. Hier ist jedenfalls nicht „seinen normalen Gang gegangen“, und wir wohnen noch nicht mal richtig in den Bergen, wo es richtig heftig war und ist.

        Und jetzt könnt ihr euch wieder vor euer RTL II oder eure Bild-Zeitung setzen oder wo ihr den „Panikzug“ gesehen habt.

        • Yvonne Weishaupt sagt:

          Da freut sich einfach jemand drüber, dass er heil in seinem Urlaub angekommen ist trotz der ganzen Panikmeldungen. Du kannst dich nicht mit ihm freuen? Schade…
          Der Autor hat die Schneeräumer gelobt und sich bei ihnen bedankt. Du würdest lieber Berichte über „von der Außenwelt Abgeschnittene“ und „ertrunkene Schneepflugfahrer“ lesen? Schlag die nächste Tageszeitung auf – Du wirst sie finden…
          Ich wohne übrigens immer noch in den Bergen und auch ich habe in den letzten zwei Wochen viel Schnee geschaufelt, sehr viel! Mich kotzt es aber dennoch an, dass aus einem zugegebenermaßen heftigen Naturereignis ein Drama gemacht wird, das einer Tsunami Berichterstattung gleicht. Ende!

  3. Sebastian sagt:

    Moment mal, wie soll ich mich über seinen schönen Urlaub freuen? Er wirft uns hier in den betroffenen Landkreisen „Katastrophengegreine“ vor! Meint ihr eigentlich, hier fällt aus Zimperlichkeit 10 Tage lang die Schule aus? Tausende Helfer von Bundeswehr und Bundespolizei, von Feuerwehren anderern Landkreise, denen wir hier alle äußerst dankbar sind, wurden nur aus Wehleidigkeit herangezogen?

    Ich glaube auch nicht, dass hier jemand das Ganze als „Katastrophe“ bezeichnet hat, das in irgendeiner Weise mit einem Tsunami zu vergleichen ist, der Tausende Menschen das Leben gekostet hat. Das habe ich ja in meinem ersten Post zu erklären versucht: Es wurde der „Katastrophenfall“ ausgerufen, das ist ein juristischer Begriff. Damit ist das Wort Katastrophe in der Welt. Was welche Medien daraus gemacht haben, weiß ich nicht.

    Ich habe keinen Schimmer, von welchen Medien ihr redet, wenn er von „Panikmache in den Medien“ oder du von „Panikzug“ schreibt. In den Medien, für die ich Zeit gefunden habe , konnte ich nichts von Panikmache erkennen. Da wurden Tatsachen berichtet.

    Ihr tut so, als sei das alles normal und alle Medien hätten übertrieben. War es nicht, es war ein singuläres Ereignis, niemand hier kann sich an so viel Schnee in so kurzer Zeit erinnern.

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