Winter

Zu Besuch beim Schneemeister von Fieberbrunn

Die hohe Schule des Schneemachens: Wir sind einen Nachmittag gemeinsam mit dem Fieberbrunner Schneemeister Hubert Pfeiler unterwegs und erfahren, wann eine Piste richtig präpariert ist, wie lange es dauert, ein Skigebiet komplett zu beschneien und warum es Kunstschnee eigentlich gar nicht gibt.

Für uns „User“ auf der Piste Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn geht es letztlich ja nur darum, mit einem Grinser abzuschwingen und die Pistenpräparation für gut zu befinden: „Nichts gsagt, ist genug gelobt“. Doch hinter den guten Fieberbrunner Pisten steckt ausgeklügelte Technologie, viel Manpower – und letztlich auch viel Geld. 250 so genannte „Schneeerzeuger“ sind im Skigebiet von Fieberbrunn im Einsatz: jene (oft gelben) Schneekanonen oder Schneelanzen, die entlang der Piste für Schnee-Nachschub sorgen. Hubert Pfeiler ist Beschneiungsmeister in Fieberbrunn und führt einen beständigen Kampf um richtig guten Pistenschnee. Das ist nicht nur eine Sache für die fünf Wintermonate, sondern auch für die „anderen“ sieben Monate des Jahres: Drei Mitarbeiter der Bergbahnen Fieberbrunn sind ganzjährig im Einsatz und kümmern sich um die Wartung und den Betrieb der Schneerzeuger, die ein ausgedehntes Leitungsnetz zur Wasserversorgung brauchen. „Wir wollen, dass unser Beschneiungssystem schnell und effizient läuft“, sagt Hubert Pfeiler – und dafür unternimmt sein Team so manche Anstrengung.

Zunächst einmal räumt Hubert Pfeiler mit dem Begriff „Kunstschnee“ auf: „Da ist nichts künstlich, da ist keine Chemie drin“, sagt der Beschneiungsmeister, der schon seit fast 30 Jahren im Dienst bei den Bergbahnen Fieberbrunn im Dienst des „weißen Golds“ steht – zunächst als Pistenraupenfahrer, später immer mehr als Schneemeister. Technischer Schnee, der in Österreich auf den Pisten liegt, besteht aus Wasser und Luft „und sonst nix“. Der einzige Unterschied: Eine Naturschneeflocke hat kristalline Struktur, eine technisch erzeugte Schneeflocke ist rund. Was ein Vorteil ist: „Der von uns erzeugte Schnee ist kompakter und widerstandsfähiger als Naturschnee“. Die Schneedecke sei robuster – und lässt sich besser präparieren.

Wir fahren mit Hubert per Ski zum Speicherteich, direkt unterhalb der Mittelstation der Streubödenbahn, nahe an Timoks Alpine Coaster. Die Bergbahngesellschaft hat sich vor einigen Jahren bei den Bergbauern eingekauft, um Wasser „von oben“ zu beziehen. Anderswo muss das kostbare Nass, das später mal schöner Schnee werden soll, erst auf den Berg gepumpt werden, um dort im Speicherteich zu landen und dann wiederum auf die Pisten gepumpt zu werden – was zweimal Strom kostet. Dank einer eigens gebohrten Gefälleleitung gelangt das Schmelz- und Bergwasser (selbstverständlich kein Leitungswasser) nunmehr ohne Energieaufwand in den Speicherteich – idealerweise bereits im späten Frühjahr, wenn eh genug Wasser zur Verfügung steht. „Wir leihen uns das Wasser von der Natur nur aus, speichern es, wandeln es natürlich um und führen es einige Monate später der Natur wieder zu“, so umreißt Hubert Pfeiler die Abläufe rund um die Beschneiung. Heißt: Man „arbeitet“ zwar mit dem Wasser und ändert seinen Aggregatszustand – aber an der Gesamtmenge des Wassers ändert sich für den Naturkreislauf nichts. „Da haben wir schon viel Verantwortung gegenüber unserer Natur, und der werden wir auch gerecht. Kein Wasser und keine Energie sollen unnötig verschwendet werden!“

Um die Pisten möglichst energieeffizient zu beschneien, geht man in Fieberbrunn fast schon wissenschaftlich vor: Aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind wird ein idealer Beschneiungstermin errechnet – und dann dauert es im Frühwinter selbst ohne Naturschneehilfe gerade einmal fünf Tage, bis die Grundbeschneiung abgeschlossen ist, denn dann wird in kurzer Zeit soviel Schnee produziert, dass die Skisaison eröffnet werden kann. Nach der Grundbeschneiung ist die Arbeit für das Fieberbrunner Schneeteam erstmal abgeschlossen: „Wenn der Winter gut läuft, dann müssen wir nur vereinzelt nachbeschneien und konzentrieren uns auf die Schneequalität„, so Pfeiler. Übrigens: Die ideale Beschneiungstemperatur liegt zwischen 5 und 10 Grad Minus. Und: Fieberbrunn liegt in einem „Schneeloch“ im Pillerseetal – dank der Staulage erfreut sich die Region östlich des Kaisergebirges um St. Johann, Fieberbrunn und Hochfilzen zahlreicher Schneefälle.

Nun, da der Schnee produziert ist, muss er „nur“ noch dort auf die Piste gelangen, wo er hingehört. Früher hat Hubert Pfeiler das als Pistenraupenfahrer mit Augenmaß besorgt, was heute GPS-Technologie leistet. Zentimetergenau wird die Schneedecke auf den Pisten analysiert – und anschließend wissen die zwölf Fahrer in den neun Pistenraupen genau, wo sie mit welchem Auftrag hinmüssen. Auch das ist eine Kunst für sich, über die Hannes gerne „behind the scenes“ erzählt – übrigens gerne auch, während man gerade am Joystick einer dieser Schneeverteilmonstermaschinen Platz genommen hat. Wir erfahren, dass in mancher Nacht tatsächlich alle neun Raupen unterwegs sind, dass eine Schicht in der Regel von Pistenschluss bis kurz vor Mitternacht dauert und dass bei Neuschnee schon auch ein zweites Mal im Morgengrauen ausgerückt wird.

Was nicht ausbleibt, ist die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck beim Skifahren. Der Stromverbrauch ist bei der Grundbeschneiung natürlich hoch, da eine hohe Pumpleistung erbracht werden muss. Da helfen auch keine Solaranlagen oder kleine Wasserkraftlösungen, „wir brauchen da in kurzer Zeit viel Strom“. Allerdings ist der energetische Aufwand für die Beschneiung und den Betrieb der Skigebiete gering im Vergleich zur Anreise. Etwa die Hälfte der Emissionen für einen Skiurlaub in Österreich entstehen durchschnittlich bei der An- und Abreise, 32 Prozent bei der Beherbergung und nur 18 Prozent beim Skibetrieb selbst.

Einmal wöchentlich: Behind the scenes

Viele Gäste möchten einen Blick hinter die Kulissen des Gondelbetriebs werfen. Aus diesem Grund hat die Bergbahn Fieberbrunn die Reihe „Hinter den Kulissen“ ins Leben gerufen. Interessierte erhalten spannende Einblicke in das Herzstück des Bergbahnbetriebs. Jeweils donnerstags können sich zur Wintersaison Inhaber eines Lifttickets für die Streubodenbahn (oder eines Tages-Skipasses) bei den Fieberbrunner Schneemachern informieren. Gut eineinhalb Stunden dauert die Führung, die mit Skiausrüstung empfohlen wird und jeweils am Donnerstag um 14 Uhr an der Fieberbrunner Talstation startet. Die Führung gibt es nur in deutsch, Anmeldung ist am Vortag bis 12 Uhr erforderlich.

Mehr Infos findet ihr hier!

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